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Uli Boettcher als Romeo und Julia

"Romeo und Julia" als One-Man-Show

Uli Boettcher bei seinem gefeierten
Auftritt im Kulturtreff

Erstmals seit vielen Jahren taucht im Programm der Waldbronner Woche der Name Bernd Kohlhepp am Montag nicht auf. Der schwäbische Kabarettist, dessen Abende in Waldbronn immer ausverkauft waren, hatte in diesem Jahr seinen Winnetou des vergangenen Jahres, Uli Boettcher, mit "Romeo und Julia" alleine nach Waldbronn geschickt. Und der Abend war genau so gut besucht, wie die Auftritte Kohlhepps in den Jahren zuvor.
Wer bisher dachte, er kenne Shakespeares "Romeo und Julia", der wurde von Uli Boettcher eines Besseren belehrt. Er schlüpfte abwechselnd in sämtliche Rollen und bezog das Publikum mit ein, wobei er sehr fein zwischen einem Amateur- und einem Profipublikum unterschied. Zu erkennen sei das an der Reaktion, wenn zum ersten Mal das Licht ausgeht.
"Ihr seid heute Abend bei "Romeo und Julia", die Julia kommt später" beschied er gleich zu Beginn sein Publikum. Und dann spielte Boettcher gleich in der ersten Szene den Romeo, den Mercutio und den Benvolio so, dass nie ein Zweifel daran bestand, wer nun gerade sprach. Dabei half ihm seinen enorme mimische Ausdruckskraft und die Kunst der Beobachtung auch heutiger körperbezogener Eitelkeiten und Eigenarten der Individuen und Geschlechter und führte zu der Erkenntnis: "Ein Mann, der verliebt ist, tickt nicht richtig!", aber das genetisch bedingt und deshalb auch wieder richtig. Und sowieso: Der Übergang vom Verliebtsein zur Beziehung erfolge, wenn sie erkennt, wie der Mann wirklich ist.
Als beim Liebesdialog  Julia nichts einfällt, was sich auf "tun" reimt und die Zuschauer "Huhn" einsagen, entgegnet er empört: "Ich weiß nicht, ob Sie die Handlung verstanden haben. Was soll ich zu Beginn einer Liebesbeziehung mit Geflügel?" Boettcher interpretierte Romeo als pubertierenden Angsthasen und Julia als pragmatische Natur. ""Ewige Liebe hat nichts mit Romantik zu tun, das ist harte Arbeit." Mehr als 10 Prozent seien bei der Romantik sogar schädlich.
Als schließlich der Held beim "Great International Romeo-Dying" nationenspezifisch stirbt, schüttelt sich das Publikum vor Lachen. Liebe ist eben mehr als ein Wort, zumal Boettcher seinen Romeo nicht nur auf französisch sterben lässt, sondern als Zugabe auch eine japanische Version in Petto hat.
Was bei Uli Boettcher besticht, ist seine Reaktionsfähigkeit, wie er blitzschnell Regungen oder Zwischenrufe der Zuhörer aufnimmt und sie in seine Geschichte von "Romeo und Julia" einbaut. Selbstredend ist hier auch die erste Reihe gefragt und Marianne und Jürgen wurden mehr als einmal in die Geschehnisse mit eingebaut, bis hin zum "Tod" von Marianne, als sie dem japanischen Romeo beim Harakiri assistierte. Als Resümee lässt sich festhalten: Gehörig gefunkt hat es an diesem Abend zwischen Boettcher und seinem begeisterten Publikum.

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