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Steve Big Man Clayton und Kat Baloun

Barrelhouse-Jazz im Kulturtreff

Steve "Big Man" Clayton und Kat Baloun bei ihrem Auftritt im Kulturtreff

Zunächst betritt er allein die Bühne, lässt ein fröhliches "Guten Abend" hören, stellte die Bierflasche ab, drapiert das rote Handtuch - ein wunderbarer Kontrast zum weißen Jackett -, auf dem Klavier und beginnt zu spielen. Und wenn Steve "Big Man" Clayton angekündigt wird als "der Mann, der auf den tasten tanzt", so gilt das im übertragenen Sinne durchaus. Seine Hände tanzen über die Tasten des Flügels und sein linker Fuß stampft hörbar den Rhythmus auf den Bühnenboden.
Nach zwei Jahren ist der Musiker aus Birmingham wieder beim Kulturring zu Gast, wie Richard Rieker in seinen Grußworten sagt, und die Zuhörer zugleich auf das Kommende einstimmt. Clayton gelte als "King of Barrelhouse Jazz", jenen legendären Kneipen in den Südstaaten Amerikas mit Lehmboden und Holzfässern, in denen immer eine etwas schwüle, schwitzige Atmosphäre herrschte. Und genau dieses Feeling kam an diesem Abend rüber.
Zunächst "Big Man" Clayton solo, mit kleinen Scherzen dazwischen: den zweiten Schluck aus der Flasche kommentiert er mit dem legendären "The same procedure as every year" und gleich darauf ertönt ein vielstimmiges "Ah" aus dem Publikum, als er "Georgia On My Mind", den Klassiker von Ray Charles ankündigt. Aber Steve "Big Man" Clayton wäre nicht er selbst, wenn er nicht zum Schluss mit einem verschmitzten Grinsen die ersten Takte von "Jingle Bells" unter die Melodie mischen würde, die er zuvor aus gesanglich hervorragend interpretiert hatte.
Dann aber kommt seine musikalische Partnerin an diesem Abend: Kat Baloun. Sie legt sich als Behälter für ihre Mundharmonikas eine Art Waffengürtel um, in dem die Instrumente stecken. Und beide treiben sich danach musikalisch voran. Sie singt, oft im Duett mit Clayton, mit einer rauchigen Stimme, aber der eigentliche Hit ist ihr Mundharmonikaspiel. Das besticht durch einen Reichtum an Klangfarben, warme, tiefe Töne wechseln mit schrillen Soli. Und was wie improvisiert wirkt, ist musikalisch ernsthaft. Beide sind Meister ihres Fachs und so kommt es oft zu einem Frage- und Antwortspiel zwischen Mundharmonika, Klavier und Gesang. Mit einem stampfenden Boogie entließen sie schließlich ihrer Zuhörer in die Pause.
Es erklingen im Laufe des Abends Standards, aber auch Eigenkompositionen des Manns aus Birmingham. "Can I Call You?" erklingt ebenso wie "Hound Dog", Fats Dominos gefühlvolle Ballade "Blueberry Hill" oder "The Blues is alright", bei dem das Publikum schließlich mitsingt. Das Publikum honorierte den Einsatz Beider. Beifall brandete oft in einzelnen Stücken auf, um sich am Ende lautstark Bahn zu brechen – und in den Applaus hinein begannen sie oft schon das nächste Stück und ließen so das Publikum kaum zu Atem kommen.

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