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 03 Werkrealschule

Waldbronn für Kombilösung bei Werkrealschule

In der Reichenbacher Albert-Schweitzer-Schule gibt es seit 1991 die Werkrealschule. Sie nahm damit bereits am Versuchsvorlauf teil

Mit einer deutlichen Kritik am BNN-Artikel "Poker um Standort der Werkrealschule" vom gleichen Tag eröffnete Bürgermeister Franz Masino die Diskussion. Was dort von der Elternseite als Plus für Karlsbad angeführt werde, gelte auch für Waldbronn. Die Anbindung der Schule an den ÖPNV sei genau so gut wie in Karlsbad. Auch das Argument der Sporthalle ziehe so nicht. Für 70 Klassen stünden in Karlsbad drei Großsporthallen zur Verfügung, in Waldbronn kommen auf 21 Klassen zwei Hallen. "Das hat mich schon geärgert", so der Bürgermeister, der den Bericht "tendenziös" nannte.
Hauptamtsleiter Walter Knab fasste dann nochmals das Thema, das den Gemeinden vom Landesgesetzgeben auferlegt wurde, zusammen. Es gebe im Wesentlichen zwei Modelle mit Varianten. Die Kompaktlösung sehe vor, die Klassen 5 – 10 entweder in Waldbronn oder Karlsbad zu führen. Bei der Kombilösung gebe es zwei Varianten, die Klassen 5-7 in Waldbronn, 8-10 in Karlsbad oder umgekehrt. 
Bei der Kompaktlösung mit Standortwahl Karlsbad bedeute dies das Aus der Hauptschule in Waldbronn, das dann nur noch über drei eigenständige Grundschulen verfüge. Bei der Kombilösung gehe es darum, festzulegen, welche Schule Stammschule mit Sitz der Schulleitung werde,
Karlsbad habe die Kompaktlösung am Standort Karlsbad vorgeschlagen. dem stimmten auch die Gesamtlehrerkonferenz und die Schulkonferenz der Karlsbader Hauptschule zu. Waldbronn schlug dagegen die Kombilösung mit der Schulträgerschaft und damit auch der Schulleitung von Karlsbad vor. Kooperation bedeute, dass alle Partner im Geben und Nehmen profitieren. Zudem habe Waldbronn seit 1991 ununterbrochen die Werkrealschule und in den meisten Jahren besuchten bisher die Karlsbader Zehntklässler die Werkrealschule in Waldbronn. Ins Feld geführt werden auch die Erfolge der Waldbronner Werkrealschule bei der Vermittlung der Jugendlichen in die Berufswelt. Zeichen dafür seien das Boris-Siegel, die Waldbronner Schnupperlehre in Zusammenarbeit mit den Waldbronner Selbständigen und ein Bewerbertraining in Zusammenarbeit mit der Forma Michelin.
Bei fehlender Einigung, so Knab, würden beide Schulen als eigenständige Hauptschulen weitergeführt. Im Schuljahr 2010/11 können die Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 5-8 (jetzige Klassenstufen 4-7) auf eine Werkrealschule ihrer Wahl wechseln, in diesem Fall wahrscheinlich nach Ettlingen. Für das Schuljahr 2012/13 kann der Antrag auf Einrichtung einer 10. Klasse gestellt werden, sofern die Schülerzahl in der jetzigen Klasse 7 stabil über 28 bleibt. Formal ist diese Option derzeit an das Weiterführen einer 10. Klasse gebunden, dies gilt aber nur für Schulen, an denen wie in Waldbronn bereits ein 10. Schuljahr eingerichtet ist.
"Die Waldbronner Haupt- und Werkrealschule zeichnet sich an beiden Standorten durch ein hervorragendes Schulklima aus", stellte Jens Puchelt (SPD) fest. Kleine Klassen, so gut wie keine Gewalt oder Vandalismus an der Schule und eine hervorragende Schulsozialarbeit in Zusammenarbeit mit dem Jugendtreff seien weitere Merkmale. Zudem konnte Rektor Peter Hepperle bei der letzten Entlassfeier berichten, dass jeder Schüler einen Ausbildungsplatz erhalten hat. Diese Errungenschaften solle man nicht vorschnell aufgeben. Puchelt kritisierte den Zeitdruck durch das Kultusministerium, unter dem das ganze Verfahren jetzt ablaufe. Zudem stelle das Konzept der "Neuen Werkrealschule" aus seiner Sicht keine "zukunftsweisende pädagogische Innovation" dar. Waldbronn sei für eine gemeinsame Lösung mit Karlsbad offen, wichtig sei aber, dass zumindest ein Teil dieser weiterführenden Schule in Waldbronn erhalten bleibe. Die SPD-Fraktion stimme der Kombilösung mit den Klassen 5-7 in Karlsbad zu und sei auch einverstanden, dass die Schulleitung in Karlsbad liege. Sollte mit Karlsbad aber keine Einigung möglich sein, trete die SPD dafür ein, die Waldbronner Hauptschule wie bisher weiter zu führen, denn laut Gesetz solle keine Schule gegen den Willen des Schulträgers geschlossen werden. Puchelt appellierte auch an die Eltern, die hervorragenden Lernvoraussetzungen an der Waldbronner Hauptschule für ihre Kinder zu nutzen.
Für die CDU-Fraktion sprach Roland Bächlein. Man stehe zur interkommunalen Zusammenarbeit, die aber nur dann funktioniere, wenn sie auf einer partnerschaftlichen Basis passiere. Beide Gemeinden wüssten, dass sie in der Frage der Werkrealschule aufeinander zugehen müssten. Unstrittig sei auch, dass die Kompaktlösung besser in Karlsbad realisiert werden könne. Aber für die Kombilösung seien die erforderlichen Fachräume für die Werkrealschule an der Albert-Schweitzer-Schule mit einer vorzüglichen Ausstattung und in einem hervorragenden Zustand alle vorhanden. Zudem waren in den ganzen zurückliegenden Jahren immer dann die Karlsbader Schüler in der 10. Klasse vertreten, wenn in Karlsbad selbst die Anzahl der Schüler nicht für die Einrichtung einer 10. Klasse ausgereichte. Man kenne diese Situation also schon und habe sie in guter Kooperation mit Karlsbad praktiziert. Insbesondere für die Schüler der Klassen 8-10, sei es vorteilhaft, wenn sie eine Haupt- und Werkrealschule in einer überschaubaren Größe besuchen. Gerade für diese Jugendlichen sei die Möglichkeit des Abtauchens in die Anonymität eines Schulzentrums, mit der wir es bei der Größe in Karlsbad zu tun haben, nicht förderlich. Bächlein nannte als Position der CDU-Fraktion: Man kämpfe nicht für eine Kompaktlösung in Waldbronn, sondern unterstütze eine Kombilösung mit Karlsbad. Die CDU sei bereit, einer Kombilösung mit den Klassen 8-10 an der Albert-Schweitzer-Schule zuzustimmen und sei auch damit einverstanden, dass die Gemeinde Karlsbad als Schulträger für die Kombilösung benannt wird. Sollte es aber zu keiner Kombilösung kommen, so befürworte die CDU die Weiterführung des "Status Quo“.
Die Mehrheitsvoten der Eltern seien deutlich, sagte Prof. Dr. Kristian Kroschel (FW). Karlsbad wolle unbedingt die Klassen 8-10, "warum auch immer". Das Argument der Fachräume sei auch "nicht ganz zutreffend". Die Klassen 8-10 in Waldbronn hielt Kroschel für schwer durchsetzbar. Der Gemeinderat solle den Bürgermeister beauftrage, auch das Modell mit den Klassen 5-6 in Waldbronn in die Diskussion zu bringen. Damit erfolge ein Vorgriff auf eine Art Orientierungsstufe, und das sei besser als überhaupt nichts.
Die Kompaktlösung in Karlsbad sei schon wegen der Konzentration in einem großen Schulzentrum abzulehnen, argumentierte Gerhard Knobloch (Bündnis90/Die Grünen). Ziel müssten kleinere Einheiten sein. Am ehesten könne er noch dem Modell mit den Klassen 8-10 in Waldbronn zustimmen. Falls aber darauf mit Karlsbad keine Einstimmigkeit herzustellen sei, solle Waldbronn beantragen, als einzügige Haupt- und Werkrealschule weiter zu bestehen. Nachdenken solle man auch über einen Ganztagesbetrieb für die Werkrealschule in Waldbronn. Diese Variante könne auch für Schüler aus anderen Gemeinden attraktiv sein.
Die folgenden Abstimmungen erbrachten folgende Voten: Einstimmig bei zwei Enthaltungen billigte der Gemeinderat das Kombimodell mit 5-7 in Karlsbad und 8-10 in Waldbronn. Die Alternative, wenn dieses Modell nicht zum Tragen komme, mit den Klassen 5-7 in Waldbronn und 8-10 in Karlsbad, wurde mit acht gegen 10 Stimmen abgelehnt. Einstimmig fiel der Beschluss, dass die Schulträgerschaft und damit auch die Schulleitung bei der Kombilösung in Karlsbad liegen solle.

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