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 05 Gemeinschaftsschule Waldbronn

Absichtserklärung für Gemeinschaftsschule

In der Albert-Schweitzer-Schule soll eine Gemeinschaftsschule eingerichtet werden. Dazu muss aber der Hauptbau aufgestockt und an der Ostseite (rechts) ein Erweiterungsbau angefügt werden.

"Das gute Schulniveau in und um Waldbronn muss erhalten bleiben", stellte Bürgermeister Franz Masino zu Beginn des Tagesordnungspunktes fest, in dem die Gemeinde Waldbronn die Absicht bekundet, ab dem Schuljahr 2014/15 an der Albert-Schweitzer-Schule in Reichenbach eine zweizügige Gemeinschaftsschule (GMS) für die Klassen 5-10 einzurichten. Wenn Karlsbad aber ebenfalls eine GMS beantrage, dann müsse man über eine Kooperation sprechen, denn es gehe um die Zukunft unserer Kinder, betonte der Bürgermeister zu Beginn einer sachlich aber hart geführten Diskussion, an deren Ende bei vier Enthaltungen der einstimmige Beschluss stand, dass die Gemeinde eine Absichtserklärung für die Gemeinschaftsschule abgibt.
Zunächst aber erläuterte Hauptamtsleiter Walter Knab die Situation, dass bei rückläufiger Geburtenzahl und Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung der Anteil der Schüler, die die Haupt- und Werkrealschule besuchen auf 14 Prozent eines Jahrgangs zurückgegangen sind. Konkret heiße das für Waldbronn, dass mit Schülerzahlen von 12-15 pro Jahrgang zu rechnen sei. Wie lange eine Schule mit derart niedrigen Schülerzahlen vom Land noch mitgetragen werde, sei der Gemeinde nicht bekannt.
Die GMS sei eine Ganztagesschule, in der unterschiedliche Kinder länger gemeinsam lernen, voneinander und miteinander lernen, menschliche Unterschiede als Bereicherung empfinden und Menschen mit Behinderungen integrierten. Die GMS, wie sie für Waldbronn angedacht sei, solle die Haupt-, Werkreal- und Realschule ersetzen. Voraussetzung sei in jedem Fall die Zweizügigkeit. Aufgrund der Übergangsquoten für Hauptschule und Realschule sei in Waldbronn dann mit 37-51 Schüler pro Jahrgang zu rechnen.
Da die GMS in Lerngruppe organisiert werde, ergebe sich bei Zweizügigkeit und 6 Lerngruppen ein Raumbedarf von 12 Räumen, von denen derzeit 4 vorhanden sind. Hinzu kommen Fachräume, ein Aufenthaltsraum und eine Mensa. Außerdem müsse die Turnhalle an vier Tagen in der Woche auch nachmittags zur Verfügung stehen.
Die notwendigen Räume sollen in einem Erweiterungsbau an der Ostseite der Albert-Schweitzer-Schule geschaffen werden, weitere Räume durch eine Aufstockung des 1992 fertig gestellten Neubaus. Die Kosten von 3,8 Mio. Euro für das Raumprogramm erläuterte Jürgen Hemberger. In zwei Bauabschnitten könne das Bauprogramm aufgeteilt werden. Danach fallen im ersten Abschnitt für den Erweiterungsbau mit der Mensa und die Auslagerung von Kindergarten und Hort 2,2 Mio. Euro an, für die Aufstockung, hier wird Raum für individuelles Lernen geschaffen, müssen dann im 2. Abschnitt nochmals 1,5 Mio. bereit gestellt werden. Dazu sei ein Landeszuschuss von 500.000 Euro denkbar. Bei den Folgekosten geht es erhöhte Personalkosten für Betreuung, Mensa, Schulsekretariat und Schulsozialarbeit, die stufenweise von 37.600 bis zu 180.600 Euro beim Endausbau 2019/20 ansteigen werden.
Als möglichen Fahrplan nannte Knab folgende Abläufe:
Februar 2013: Absichtserklärung des Schulträgers an das Staatliche Schulamt; Tagungen der Schulkonferenzen; Entwicklung des pädagogischen Konzeptes; Informationsveranstaltung zur Information der Waldbronner Bevölkerung.
März 2013: Entwicklung des pädagogischen Konzeptes; Kontakt mit Nachbargemeinden.
06.03.2013: Gemeinsamer Ausschuss – Interkommunale Zusammenarbeit.
April 2013: Entwicklung des pädagogischen Konzeptes;
Informationsveranstaltung für Eltern der Waldbronner Schulen (1. – 3. Klasse).
Mai 2013: Informationsveranstaltung für Eltern aus Nachbargemeinden.
Juni 2013: Zusammenstellung der Elternbefragungen; Fertigstellung des Raumprogramms; Berechnung der voraussichtlichen Investitions- und Folgekosten.
Juli 2013: Vorstellung der Konzeption im Gemeinderat; Beschlussfassung des Gemeinderats über die Antragstellung.
September 2013: Voraussichtliche Visitation durch das Staatliche Schulamt und das Regierungspräsidium; Antragstellung der Gemeinde zur Gemeinschaftsschule Waldbronn zum Schuljahr 2014/15.
Als Fazit nannte Knab, dass sich mit der Gemeinschaftsschule für Waldbronn die Möglichkeit ergebe, den Schulstandort für eine weiterführende Schulart zu sichern. Gleichzeitig ergeben sich mittelfristig Möglichkeiten in den frei werdenden Räumlichkeiten in der Anne- Frank- Schule Busenbach eine Ganztagsbetreuung oder auch Ganztagsgrundschule für Grundschulkinder in Waldbronn anzubieten.
Das pädagogische Konzept der Gemeinschaftsschule erläuterte Rektor Peter Hepperle von der Albert-Schweitzer-Schule. Als organisatorische Grundbedingungen nannte er die Zweizügigkeit, die gemeinsame Unterrichtung von Behinderten und Nichtbehinderten (Inklusion) und den Ganztagesbetrieb bis 16:30 Uhr. Als Abschlüsse seien Hauptschul- oder Realschulabschluss möglich, der einen Wechsel auf das allgemeinbildende oder das berufliche Gymnasium ermöglicht. Die Gemeinschaftsschule unterstütze das selbstorientierte Lernen, bei dem die Schüler von Lernbetreuern, den bisherigen Lehrern, begleitet werden. Aufgeteilt seien sie in Lerngruppen. Dabei soll die umfassende Ausbildung aller Kompetenzen angestrebt werden, die den Jugendlichen befähigen, seine Position in der Gesellschaft zu finden. Wichtig sei auch, dass die Schüler eine Konzeption der Berufswahlvorbereitung durchlaufen, an deren Ende die Erlangung der Berufswahlreife stehen müsse.
"Was hat die Absichtserklärung für Konsequenzen, wenn wir später zum Entschluss kommen, dass wir keine GMS wollen? fragte Roswitha Bichler (CDU). Eine Absichtserklärung sei zunächst einmal eine Absichtserklärung, erwiderte Bürgermeister Franz Masino. Sie erfolge aber vor dem Hintergrund, dass regionale Konzepte erstellt werden.
Jens Puchelt (SPD) hob auf die Schulkonferenzen ab, die sich mit großer Mehrheit für eine GMS in Waldbronn ausgesprochen hätten. Da Waldbronn wohl die erste GMS in der Umgebung einrichte, sei auch die Schülerzahl gesichert. Investitionen in die Bildung der Kinder lohnten sich immer, sagte Puchelt zu der Investitionssumme, machte aber auch deutlich, dass die GMS mit engagierten Kollegien an den Schulen stehe oder falle.
Bei rückläufigen Schülerzahlen sah Roswitha Bichler (CDU) den Fortbestand einer GMS in Waldbronn als fraglich an. Wegen der großen Investition sei das Vorhaben unsicher, zumal in Karlsbad die komplette Infrastruktur vorhanden sei. Wenn aber die GMS in Waldbronn komme, dann gehe es auch um Frage: "Wo sparen wir ein?" Unterstützt wurde sie von ihrer Fraktionskollegin Erika B. Anderer. Sie sah die Waldbronner Pläne kritisch, zumal es in Karlsbad offenbar schon Konferenzbeschlüsse pro GMS gebe. Was aber, so ihre Frage, wenn Waldbronn investiere und dann die Schülerzahlen nicht erreicht werden? Außerdem, merkte sie an, sei auch das bisherige Schulsystem so schlecht nicht gewesen.
Die Freien Wähler sprachen sich für eine GMS mit Ganztagesbetreuung aus. Allerdings machten Prof. Dr. Kristian Kroschel, Ralf Störzbach und Angelika Demetrio-Purreiter auch deutlich, dass sie bereit seien den Weg mitzugehen, weil sie darin eine Chance für Waldbronn sehen. Allerdings müssten Investitions- und laufende Kosten dann an anderer Stelle eingespart werden, wobei Kroschel auch ein Fragezeichen hinter das Raumprogramm und letztlich die Investitionssumme setzte.
Für das Konzept einer GMS in Waldbronn sprachen sich Richard Linder (CDU) und sein Fraktionskollege Joachim Lauterbach aus, der in einer Gemeinschaftsschule die Chance sah, weiterhin den guten Schulstandort Waldbronn zu erhalten.

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